Interview mit Judith Herzog-Kuballa / Teamleitung Nachhaltigkeit VDMA e.V.
Mit 3.500 Mitgliedern ist der VDMA (1892 als Verein Deutscher Maschinenbau-Anstalten gegründet) die größte Netzwerkorganisation und wichtiges Sprachrohr des Maschinenbaus in Europa und Deutschland. Der Verband vertritt die gemeinsamen wirtschaftlichen, technischen und wissenschaftlichen Interessen dieser einzigartigen und vielfältigen Industrie.
Der VDMA empfindet die Nachhaltigkeit als strategische Verankerung von umwelt- und sozialrelevanten Aspekten in Unternehmen; ob Klimaschutzziele, Enkeltauglichkeit oder menschenrechtliche Sorgfaltspflichten – Nachhaltigkeit ist in aller Munde und die Erwartungen an die Unternehmen, verantwortlich zu agieren, steigen stetig. Mit den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen, dem Pariser Klimaschutzabkommen oder den VN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte wurden auf globaler Ebene Grundpfeiler gesetzt, um ein menschenwürdiges Leben für zukünftige Generationen sicherzustellen.
Im Sommer 2025 haben sowohl der VDMA wie auch unser Verband degefest an dem Pilotprozess zur Gestaltung von VSME-Branchenleitfäden mitgewirkt. Die dabei entstandenen Kontakte zum VDMA, wie auch der zum mitmachenden Hotelverband Deutschland e. V. (IHA), haben wir dabei ein wenig vertiefen können.
Daraus entstand u. a. ein Interview mit Judith Herzog, die der Teamleitung Nachhaltigkeit in der Abteilung Umwelt und Nachhaltigkeit beim VDMA e. V. vorsteht.
- Judith Herzog-Kuballa hat in Tübingen sowie Perugia Politikwissenschaften studiert und 2002 mit Magister Artium abgeschlossen.
- Nach einigen Jahren im Politikapparat ist sie seit 2008 für den VDMA tätig und beschäftigt sich dort seit 2011 mit Nachhaltigkeitsthemen in der VDMA Abteilung Umwelt und Nachhaltigkeit
- 2024 hat sie dort die neu eingeführte Leitung des Nachhaltigkeitsteams übernommen.
Frau Herzog, wie lange spielt die Nachhaltigkeit beim VDMA eine wichtige Rolle?
Nachhaltigkeit ist beim VDMA seit vielen Jahren ein relevantes Querschnittsthema – zunächst stark geprägt durch klassische Umwelt- und Technikthemen (z. B. Energieeffizienz, Emissionen, Stoffpolitik, Kreislaufwirtschaft). In den letzten Jahren hat sich die Bedeutung deutlich ausgeweitet: Klimaschutz und Energie, menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfaltspflichten in Lieferketten sowie Nachhaltigkeitsberichterstattung sind heute zentrale Management- und Strategiefragen für viele Mitgliedsunternehmen. Entsprechend haben wir unsere Informationsangebote und Gremienarbeit ausgebaut, um die Unternehmen in einem zunehmend dynamischen Regulierungsumfeld praxisnah zu unterstützen.
Wie gehen Ihre Mitgliedsunternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit und den sich ständig veränderten Vorgaben um?
Unsere Mitgliedsunternehmen sind mit sehr unterschiedlichen Ausgangslagen konfrontiert – von „First Movern“ mit etablierten Nachhaltigkeitsstrukturen bis hin zu Unternehmen, die erst jetzt systematisch aufsetzen. Was alle eint: Die Vorgaben ändern sich schnell, greifen ineinander und müssen in bestehende Prozesse integrierbar bleiben. Viele Unternehmen setzen daher auf pragmatische Ansätze: klare Verantwortlichkeiten, belastbare Datenprozesse (z. B. für CO2- und Lieferkettendaten), risikobasierte Priorisierung und interne Qualifizierung. Der VDMA unterstützt dabei, indem wir regulatorische Entwicklungen früh einordnen, Branchenpositionen bündeln, Umsetzungshilfen mit Praxisbezug adressieren und Austauschformate anbieten, in denen Unternehmen voneinander lernen können.
Was erwarten Ihre Mitgliedsunternehmen künftig hinsichtlich der Nachhaltigkeit?
Für die kommenden Jahre erwarten unsere Mitgliedsunternehmen vor allem drei Dinge:
- mehr Planungssicherheit und Verhältnismäßigkeit in der Regulierung (weniger Doppelregulierung, klare Übergangsfristen, praxistaugliche Leitlinien…, aber vor allem mehr Anreizpolitik statt granularer detaillierter Vorgaben und Dokumentationspflichten),
- Unterstützung bei der Transformation hin zu klimafreundlichen und ressourceneffizienten Technologien – dabei sind verlässlicher Rahmenbedingungen für Energie, Infrastruktur und Investitionen besonders wichtig – sowie
- Standards und digitale Lösungen (möglichst kostengünstig), die Datenerhebung und Nachweise vereinfachen.
Gleichzeitig sehen viele Unternehmen Nachhaltigkeit auch als Innovations- und Wettbewerbsthema: Wer Kundenanforderungen, Finanzierungserwartungen und Lieferkettenanforderungen effizient erfüllen kann, stärkt Resilienz und Marktzugang.
Können Sie eine Aussage zum Thema „Zusammenarbeit Ihrer Mitglieder zu anderen Organisationen mit Wünschen zu deren nachhaltigem Verhalten treffen“? hat der Anspruch Nachhaltigkeit im Umgang mit Geschäftspartnern zu adressieren durch die jüngste Omnibusregulatorik nachgelassen?
Der Anspruch, Nachhaltigkeit auch im Umgang mit Geschäftspartnern zu adressieren, hat aus unserer Sicht nicht stark geändert. Was sich verschoben hat, ist vielmehr der Schwerpunkt: weg von einer stark compliance- und reportinggetriebenen Betrachtung hin zu einem stärkeren Fokus auf das Kerngeschäft, auf Risikomanagement und auf resiliente Wertschöpfungs- und Lieferketten. Erwartungen an verantwortungsvolles Verhalten bestehen also weiterhin bestehen, werden aber stärker risikobasiert, praxisnäher und mit Blick auf die wirtschaftliche Realität der Unternehmen formuliert. Nachhaltigkeit bleibt damit wichtig – nur weniger als Dokumentationsaufgabe und stärker als Teil einer zukunftsfähigen Unternehmensstrategie.
Vielen Dank für das Interview liebe Frau Herzog-Kuballa!
Kontakt:
Judith Herzog
VDMA e.V.
Telefon +49 69 6603-1751
E-Mail judith.herzog@vdma.eu